Die Realität sieht leider anders aus

Fortschreibung des SEP berücksichtigt Bedürfnisse von Realschülern und Kindern mit Förderbedarf nicht

Sara Steinhardt, Vorsitzende des FA Bildung
Sara Steinhardt, Vorsitzende des FA Bildung

Frankfurt am Main, 18. Juni 2020. Mit Erstaunen hat die Vorsitzende des Fachausschuss Bildung der Frankfurter CDU, Sara Steinhardt, auf den Entwurf des Schulentwicklungsplans für die allgemeinbildenden Schulen (SEP A) von Schuldezernentin Sylvia Weber reagiert.

Die einzelnen Maßnahmen, vor allem der Bau von acht neuen Grundschulen und eines Gymnasiums, seien zu begrüßen. Allerdings ist nicht verständlich, warum dringliche Punkte wie die Errichtung einer eigenständigen Realschule sowie die Erweiterung oder Gründung von Förderschulen wieder nicht in der Fortschreibung des SEP A aufgegriffen werden. „Wir haben eine ähnliche Situation wie vor zwei Jahren: Statt den Bedürfnissen der Kinder und dem Elternwillen stehen bei Frau Weber wieder ideologische Überlegungen bei der Schulentwicklung im Vordergrund“, erläuterte Steinhardt. 

Konkret wird die die unüberlegte Beschulung von Förderkindern an Grundschulen von der CDU kritisiert: „Die Erweiterung bestehender Förderschulen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (GE) wurde gar nicht erst geprüft“, beanstandete die Fachausschussvorsitzende. Auf dieser Grundlage könne man keinen Ausbau von Kooperationsklassen beschließen. „Wie schon bei der letzten Fortschreibung besteht vor allem wieder das Problem, dass nicht klar ist, wo die in den Kooperationsklassen unterrichteten Förderkinder nach Abschluss der 4. Klasse ausgebildet werden sollen. Oder denkt Frau Weber, dass sich der Förderbedarf dieser Kinder nach vier Jahren an der Regelschule in Luft auflöst? Den Bedürfnissen der Förderkinder wird somit nicht Rechnung getragen.“ Steinhardt fordert daher die Aufnahme mindestens einer neuen Förderschule in den Schulentwicklungsplan, vorzugsweise im Bereich Geistige Entwicklung (GE). Der Fachausschuss Bildung sieht vor allem den Elternwillen bei der derzeitigen Fortschreibung wieder einmal missachtet: „Das Bildungsdezernat vertritt anscheinend immer noch den Standpunkt, dass alle Eltern gemeinsamen Unterricht und Inklusion möchten. Es gibt aber eben auch Eltern, die sich aufgrund der guten Fördermöglichkeiten und dem geschützten persönlichen Umfeld gezielt für die Beschulung ihrer Kinder an einer Förderschule aussprechen. Für beide Optionen müssen wir als Stadt eine ausreichende Anzahl an Plätzen bereithalten“, so Steinhardt. 

Auch im Bereich der Realschulplätze mahnt die CDU die ideologische Haltung der Stadträtin in dieser Frage an. Laut aktueller Zahlen und Prognosen fehlten zum Schuljahr 2019/20 an Realschulen bereits drei Züge in Jahrgang 7. Zum Schuljahr 2025/26 wird das Defizit in Jahrgang 5 auf vier Züge und in Jahrgang 7 auf sieben Züge ansteigen. „Aktuelle Prüfungen haben ergeben, dass neben der bereits beschlossenen Erweiterung der Walter-Kolb-Schule und der Fürstenbergerschule keine weiteren Ausbaumöglichkeiten an bestehenden Realschulen sowie verbundenen Haupt- und Realschulen bestehen, um die Kapazitäten zu erhöhen“, gab Steinhardt zu bedenken. Die genannten Gründe sprechen für die CDU daher für den Bau einer weiteren eigenständigen Realschule. Dieser Sachverhalt sei dem Bildungsdezernat bereits seit Längerem bekannt, daher können die Bildungspolitiker nicht verstehen, warum sich keine weitere eigenständige Realschule im SEP findet. Es stelle sich die Frage, ob das Dezernat die Wünsche der betroffenen Akteure bewusst ignoriere und Klientelpolitik betreibe. „Ein einfacher Schritt wäre doch die Realisierung einer eigenständigen Realschule, welche gleichzeitig mit zwei Jahrgängen startet. Der parallele Start mit den Jahrgangsstufen 5 und 6 würde so einer Entlastung bestehender Realschulen sowie Integrierter Gesamtschulen dienen.“

Steinhardt fordert daher die Dezernentin auf, sich statt an ideologischen Vorstellungen lieber an der Realität zu orientieren: „Um im Sinne des Elternwillens ein vielfältiges Schulangebot in allen Schulformen vorzuhalten und den steigenden Schülerzahlen frühzeitig zu entsprechen, braucht Frankfurt dringend mindestens eine eigenständige Realschule sowie einen Ausbau der Förderschulen. Das Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen! Dafür müssen Eltern aber aus einem adäquaten, vielfältigen Angebot wählen können.“

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