Loizides: Eine Partnerschaft mit Lagos ist im Interesse Frankfurts!

CDU-Fraktion unterstützt Initiative „400 Minutes“

Christiane Loizides, Stadtverordnete
Christiane Loizides, Stadtverordnete
Frankfurt am Main, 05. Oktober 2018 - Die CDU-Fraktion im Römer strebt eine verstärkte Partnerschaft zwischen der westafrikanischen Metropole Lagos und Frankfurt am Main an.

„Lagos ist eine Weltstadt und spielt bei der Öffnung Afrikas eine wichtige Rolle. Mit Frankfurt am Main bestehen bereits enge Verflechtungen auf den Gebieten Wissenschaft, Wirtschaft, Finanzdienstleistungen und Kultur. Eine verstärkte Partnerschaft wird den bereits vorhandenen wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Beziehungen zwischen Lagos und Frankfurt am Main weiteren Auftrieb verleihen“, sagt die wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Christiane Loizides.

 
Die Stadtverordnete ermuntert die Initiative „400 Minutes“ – eine Anspielung auf die Reisezeit Frankfurt-Lagos –, die bestehenden Kontakte zu vertiefen. „Lufthansa fliegt die gigantische Hafenstadt von Frankfurt aus täglich an. Mit Victoria Island, dem wirtschaftlichen Handelszentrum von Lagos, hat der Finanzplatz Frankfurt bereits einen kongenialen Partner am Golf von Guinea“, so Loizides. Zwischen der Frankfurter Börse und der Nigerian Stock Exchange, mittlerweile die zweitwichtigste in Afrika hinter der Börse in Johannesburg, existiert seit langem Kontakt, sagt die CDU-Wirtschaftsexpertin.

Die Universität Lagos unterhalte seit Jahrzehnten gute Beziehungen zur Goethe-Universität. „Unsere Uni mit dem TechQuartier könnte ein wichtiger Kooperationspartner im Bereich der FinTecs sein, denn Lagos verfügt hier über eine beachtliche Talentschmiede und hat jetzt schon das Zeug, zum Digital Hub Afrikas zu werden“, weist Loizides auf vielversprechende Ansätze solcher Start-Ups in Nigeria hin. Das für 5.000 Zuschauer ausgelegte National Arts Theatre, 1976 gebaut für das panafrikanische „Festival of Black Arts“, stehe symbolisch für die bemerkenswerte Kulturszene des Landes: „Lagos ist eine Film- und Modekapitale, ist das ‚Mekka‘ des Afrobeat und die größte Schriftstellerstadt Afrikas – das sind viele Anknüpfungspunkte für die Hot Spots der Frankfurter Kulturlandschaft, nicht zuletzt für die internationale Buchmesse“, so die Stadtverordnete.
 
Loizides zufolge geht es sehr wesentlich auch um den Transfer von Know how, den Frankfurt am Main zur Weiterentwicklung der Infrastruktur der Megacity anbieten kann, und zwar durchaus als Win-Win-Strategie: „Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet wie Julius Berger oder AS+P helfen bereits seit langem, ein modernes Straßennetz an der Lagune von Lagos zu errichten. Die Fahrzeiten etwa zum Flughafen konnten dadurch massiv verkürzt werden. Gleichwohl bleiben massive Verkehrsprobleme, etwa durch schlechte Straßenoberflächen sowie fehlende Bushaltestellen, Ampelanlagen und Parkplätze“, so die Stadtverordnete. Weiterhin böte sich Frankfurt mit seinen kommunalen Versorgungsunternehmen als Partner auf allen zentralen Gebieten der dringend erforderlichen Infrastrukturentwicklung an: Energie- und Wasserversorgung sowie Abwasser- und Abfallentsorgung.

„In diesem bevölkerungsreichen Land können unsere bewährten Technologien zum Einsatz kommen, um nachhaltig Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Frischezentrum in Kalbach ist zusätzlich als wichtiger deutscher Marktplatz für den explodierenden Agrarexport Nigerias denkbar, der dringend technische Lösungen für eine stabile Kühlkette benötigt. Dass Frankfurt für solche Exporte Zielflughafen Nummer 1 in Europa sein wird, liegt auf der Hand. Schon heute treffen hier täglich sieben DHL-Maschinen über Leipzig aus Lagos ein“, merkt Loizides an.
 
Deutsches Fachwissen sei also in der größten Stadt Afrikas überall gefragt. Und Frankfurt könne sich in Deutschland an die Spitze der Bewegung setzen, sich weitere Märkte in diesem Schlüsselland des Kontinents zu schaffen. „Denn die Chinesen sind schon längst da, bauen in Lagos Flughafenterminals, Straßen und Metro-Verbindungen en gros und sind in einigen Wirtschaftsbranchen bereits marktführend, etwa in der Mineralwasserproduktion. Zugleich will Großbritannien unter den G7-Staaten zum größten Investor in Afrika werden, wie die Premierministerin bei ihrem Staatsbesuch in Lagos kürzlich erklärte. Umso wichtiger ist deshalb das persönliche Interesse der deutschen Bundeskanzlerin, die Nigeria im August mit einer namhaften Wirtschaftsdelegation besucht hat. Frankfurt mit der Rhein-Main-Region kann aus dieser Situation etwas machen und ein Treiber sein, die deutsch-afrikanischen Beziehungen auf wirtschaftlichem Gebiet zu intensivieren“, findet die CDU-Wirtschaftspolitikerin. 
 
Der Vorteil zusätzlicher Begegnungen zwischen Frankfurt und Lagos liegt für Loizides darin, dass auf diesem Wege eine perspektivisch mögliche Städtepartnerschaft an das bereits auf Arbeitsebene Entstandene anknüpfen könnte. „Persönliche Kontakte sind in Nigeria entscheidend für jede Geschäftstätigkeit. Ich gehe davon aus, dass das engagierte Bündnis ‚400 Minutes‘, nicht zuletzt mit der Frankfurter Montagsgesellschaft im Rücken, eine bürgerschaftlich verankerte Partnerschaft auf Augenhöhe schaffen kann, also ohne die gängigen Afrikaklischees der Entwicklungshilfe, die das Bild eines reinen Elendskontinents zeichnen. Was Alt-Bundespräsident Horst Köhler als großer Freund Afrikas immer gesagt hat, gilt heute umso mehr: Wir brauchen einen Kulturwandel in unserer Afrikapolitik!“
 
Denn für Loizides ist wichtig: „Die Stärkung Afrikas liegt im überragenden Interesse Europas. Wer in seiner Heimat keine Lebensperspektive hat, macht sich auf den Weg. Insofern bergen Afrikas Entwicklungsprobleme vor allem für Europa große Risiken. Die Städte mit einer starken Wirtschaft und Infrastruktur können durch gelebte Partnerschaften einen wichtigen Beitrag leisten, Zivilgesellschaften zu stärken sowie Rechtstaatlichkeit und Bildung zu fördern. Frankfurt wird als klassische Handelsstadt vom Austausch mit Lagos zweifellos profitieren, aber die Frankfurter ihrerseits können vor allem helfen, Fluchtursachen zu bekämpfen, damit die in übergroßer Mehrzahl jungen Menschen in einem prosperierenden Afrika ein Leben in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand führen können. Deswegen treten wir für diese besondere Partnerschaft ein“. 

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