Steinhardt: Schuldezernentin als Oberlehrerin?

Wahlfreiheit und Bildungsvielfalt müssen auch für Kinder mit Förderbe-darf erhalten bleiben

Sara Steinhardt, Vorsitzende des FA Bildung
Sara Steinhardt, Vorsitzende des FA Bildung
Frankfurt am Main, 23. August 2018 - Mit Verwunderung hat der Fachausschuss Bildung der Frankfurter CDU auf den Entwurf des Schulentwicklungsplans für die allgemeinbildenden Schulen (SEP A) von Schuldezernentin Sylvia Weber reagiert.

 

Die einzelnen Maßnahmen wie der zu priorisierende Bau neuer Grundschulen, die projektierten Neubauten weiterführender Schulen sowie der Ausbau von Realschulen, Realschulzweigen und verbundenen Haupt- und Realschulen, seien nicht zu beanstanden und zu begrüßen. Allerdings ist nicht verständlich, warum dringliche Punkte wie die Erweiterung und Unterstützung von Förderschulen nur mit Widerwillen in der Fortschreibung des SEP A aufgegriffen werden. „Nicht ideologische Überlegungen, sondern das Wohl des Kindes und der Elternwille müssen bei der Schulentwicklung im Vordergrund stehen,!" erläutert Sara Steinhardt, Vorsitzende des Fachausschusses Bildung und selber Lehrerin.

 

 

 

Konkret wird die große Skepsis bezüglich einer Ausweitung der Förderschulkapazitäten im Bereich Geistige Entwicklung (GE) von der CDU kritisiert: „Die bauliche Erweiterung der Panoramaschule wäre eine wunderbare Möglichkeit, die Kapazitäten im Bereich GE nach Elternwunsch auszubauen. Stattdessen baut das Bildungsdezernat ausschließlich auf Kooperationsklassen." Steinhardt verweist damit auf die von CDU-Fraktion im Frankfurter Römer bereits eingebrachte Ergänzung für die Fortschreibung des SEP A, die anstatt oder zusätzlich zu Kooperationsklassen eine Erweiterung der Panoramaschule ins Spiel gebracht hat. „Aufgrund fehlender räumlicher Kapazitäten ist schon in der Vergangenheit die Einrichtung von Kooperationsklassen an vielen Schulen nicht gelungen und häufig nur bei Neubauten möglich. Auch vergisst Frau Weber anscheinend, dass z.B. Pflegeeinrichtungen, Räume für Logopädie, Ergo- oder Physiotherapie sowie Ruheräume für Kinder in diesem Förderschwerpunkt zusätzlich benötigt werden. Wie sollen rechtzeitig genügend Plätze und die dazugehörige Infrastruktur an Regelschulen bereitgestellt werden?", fragt die Fachausschussvorsitzende. „Die vorgeschlagene Lösung der Kooperationsklassen an Grundschulen beantwortet nicht die Frage, wo die genannten Kinder nach Abschluss der 4. Klasse ausgebildet werden sollen. Die Förderschulen im Bereich GE beschulen derzeit hauptsächlich die schwersten Fälle, die im Rahmen der Inklusion meist keine ausreichende Förderung erhalten können. Unsere vielen inklusiv arbeitenden weiterführenden Schulen leisten gute Arbeit und tun ihr Bestes. Erfreulicherweise müssen wir uns mit einem Inklusionsanteil über dem
hessischen Durchschnitt nicht verstecken. Der Bedarf an Förderschulplätzen im Bereich der geistigen Entwicklung sinkt jedoch trotzdem nicht, " gibt Steinhardt zu bedenken. Zudem bedeuteten Kooperationsklassenlaut der Bildungspolitikerin einen riesigen Organisationsaufwand für die Förderschulen, die ohne größere Personalzuweisungen Lehrer durch die ganze Stadt entsenden und mehrere Außenstellen koordinieren müssen. Die Ansiedlung von Kooperationsklassen sei eigentlich nur im Cluster gut umsetzbar, da sonst kaum Vertretungsregelungen möglich sind.

Neben der schwierigen baulichen und organisatorischen Umsetzbarkeit von Kooperationsklassen und der Frage, ob diese überhaupt den Bedarf decken können, sieht der Fachausschuss Bildung vor allem auch den Elternwillen bei der derzeitigen Fortschreibung missachtet: „Das Bildungsdezernat vertritt den Standpunkt, dass alle Eltern gemeinsamen Unterricht und Inklusion möchten und daher prioritär Integrierte Gesamtschulen gebaut werden müssten, um dem Elternwillen nachzukommen. Es gibt aber auch Eltern die sich aufgrund der guten Fördermöglichkeiten und dem geschützten persönlichen Umfeld gezielt für die Beschulung ihrer Kinder an einer Förderschule aussprechen und es sehr schätzen, dass dort auch lebenspraktische Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben vermittelt und berufliche Integrationsprogramme gezielt gefördert werden.", so Steinhardt. „Für beide Optionen müssen wir als Stadt eine ausreichende Anzahl an Plätzen bereithalten. Laut
Kultusministerium hat Frankfurt hessenweit die drittniedrigste Feststellungsquote bei Schülerinnen und Schülern im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die Testverfahren sind umfangreich und werden durch unabhängige Experten durchgeführt, um Fehldiagnosen zu verhindern. Trotzdem haben wir aufgrund des Bevölkerungswachstums steigende Fallzahlen." erklärt die Bildungspolitikerin.

Sie fordert daher die Dezernentin auf, nicht zur Oberlehrerin zu werden, die anderen vorschreibt, wie ihre Kinder beschult werden sollen: „Der Elternwille ist vielfältig und das Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen! Es kann nicht Ziel sein ein Einheitssystem für alle zu schaffen, sondern ein adäquates, vielfältiges Angebot aus dem die Eltern die für ihre Kinder individuell beste Förderung frei wählen können."

 

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