Kirchner: Die KAV sollte sich mit wichtigeren Themen befassen!

CDU-Fraktion weist Rassismus-Vorwürfe gegen Apotheken zurück

Thomas Kirchner, Vorsitzender der CDU Gallus/Gutleut, Stadtverordneter
Thomas Kirchner, Vorsitzender der CDU Gallus/Gutleut, Stadtverordneter
Frankfurt am Main, 05. Februar 2018 - Der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Thomas Kirchner, hat die Forderung der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) zurückgewiesen, der Magistrat solle sich dafür einsetzen, dass die beiden Geschäftsbezeichnungen bzw. Logos „Mohren-Apotheke“ (im Stadtteil Eschersheim) sowie „Apotheke zum Mohren“ (an der Konstablerwache) aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden.

„Wir unterstützen die Leiterin des Denkmalamtes, die umgehend klargestellt hat, dass der Schriftzug ‚Zum Mohren‘ an der Fassade des denkmalgeschützten Hauses an der Konstablerwache bleibt. Die KAV wäre gut beraten, sich mit Themen zu befassen, die im Alltag tatsächlich von Bedeutung sind. Während auf deutschen Schulhöfen immer häufiger Schimpfwörter wie ‚Du Jude‘ oder ‚Du Christ‘ gebraucht werden, sieht die Frankfurter Ausländervertretung anscheinend kein brennenderes Thema als eine Auseinandersetzung mit dem heute nur noch selten bis überhaupt nicht mehr gebrauchten Wort ‚Mohr‘. Das ist einfach bizarr“, so Kirchner.

 
Kirchner verwies auf die zwar gegebene Ambivalenz des Wortes, das einerseits einen Menschen dunkler Hautfarbe meine, andererseits aber im Zusammenhang mit Apotheken nach gängiger Auffassung einen pharmaziegeschichtlichen Hintergrund habe. In Deutschland führten rund 100 Apotheken diesen Namen in unterschiedlicher Variation, erläutert der Stadtverordnete. „Sie sind zum Teil sehr alt. Seit dem Jahr 1578 gibt es zum Beispiel eine Mohren-Apotheke in Nürnberg. Der Name lässt sich höchstwahrscheinlich zurückführen auf den kulturellen Austausch mit der maurischen Bevölkerung, der weite Teile der modernen Arzneimittelkunde aus Afrika und Südspanien in den Norden Europas gebracht hat. Es ist doch absurd, dass ein Begriff, der für die Anerkennung einer Leistung von Menschen aus anderen Kulturkreisen steht, nämlich für die medizinische Überlegenheit der Mauren gegenüber den Mitteleuropäern, so in Verruf gebracht wird. Die Mohrenapotheke als Geschäftsname steht somit streng genommen gerade für das Gegenteil von Rassismus“, so Kirchner.
 
Für Kirchner ist das offensive Vorgehen des antragstellenden KAV-Mitgliedes Virginia Wangare Greiner zudem unverantwortlich gegenüber den beiden Apotheken: „Wir sehen es als problematisch an, einen solchen Antrag auf den Weg zu bringen und einen Rassismus-Vorwurf im Zusammenhang mit den beiden Apotheken in den Raum zu stellen, ohne mit den Betroffenen vorher wenigstens einmal gesprochen zu haben. Immerhin ist nicht nur die Betriebserlaubnis der Apotheke an den Namen gebunden, sondern es ist auch nicht auszuschließen, dass es, wie in der Vergangenheit andernorts bereits geschehen, zu Übergriffen mit Sachbeschädigungen kommen kann“.
 
Eine einzige Beschwerde, und zwar über die Apotheke an der Konstablerwache, sei in den vergangenen Jahren bei der Ombudsstelle Antidiskriminierung im Amt für multikulturelle Angelegenheiten eingegangen, so der Stadtverordnete. „Die KAV hat offensichtlich etwas thematisiert was unter den Kunden der inkriminierten Apotheken und in der Frankfurter Bevölkerung überhaupt kein Thema ist. Es ist unzweifelhaft, dass es auch in unserer friedlichen und weltoffenen Stadt Frankfurt am Main Rassismus gibt. Dass man diesen jedoch mit der Ächtung des sprachlich längst überholten Wortes ‚Mohr‘ bekämpfen kann, dieser Illusion sollte sich niemand hingeben“.

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