Wiesmann: Schuldezernentin setzt Verlässlichkeit der Frankfurter Schulentwicklung aufs Spiel. Weitere IGS ist vielleicht die einfachste, aber bei weitem nicht die beste Lösung

Bettina M. Wiesmann MdL
Bettina M. Wiesmann MdL
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 25. Oktober 2016. Zu den jüngsten Äußerungen der Frankfurter Schuldezernentin, Stadträtin Sylvia Weber, mit denen sie dafür wirbt, die gemäß Schulentwicklungsplan von 2015 vorgesehene Kooperative Gesamtschule Niederrad im kommenden Jahr als Integrierte Gesamtschule zu eröffnen, erklärt die Frankfurter Landtagsabgeordnete Bettina M. Wiesmann, Mitglied des Schulausschusses des Landtags:

„Die Argumente der Schuldezernentin sind schwer nachvollziehbar. Es trifft nicht zu, dass eine Eröffnung dieser Schule als IGS das Anwahlproblem automatisch lösen wird. Beileibe nicht jede IGS in Frankfurt wird von den Eltern gleich gut angewählt. Eine ganze Anzahl von IGSen erfreuen sich seit Jahren nur mäßiger Beliebtheit bei den Viertklässlereltern und werden nur mit Hilfe von Schülerlenkungsmaßnahmen in Klasse 5 gefüllt. Ebenso ist es nicht korrekt, das Kultusministerium und das Staatliche Schulamt als Befürworter einer weiteren IGS im Süden in Anspruch zu nehmen. Das Ministerium prüft hinsichtlich der Schulentwicklung durch den Schulträger stets nur die Plausibilität der Planung, also hinsichtlich der Schülerzahlen und Elternwahlpräferenzen: Ist die geplante Schule in der Lage, die zusätzlichen Schüler auch aufzunehmen? Im Falle einer IGS trifft dies immer zu, denn egal, mit welchem Elternwunsch ein Viertklässler kommt, eine IGS kann ihn oder sie unter allen Umständen aufnehmen. Dasselbe gilt aber genauso für die KGS, die Kinder in allen drei Bildungsgängen beschult.

Das zweite vorgebrachte Argument, es gebe im Süden nicht genug Gymnasialkinder, zieht genauso wenig. Zum einen soll die Bürostadt Niederrad in ein Wohn- und Büroquartier für rd. 10 000 Menschen umgewandelt werden. Hier muss zwingend eine entsprechende schulische Infrastruktur mitgedacht werden – natürlich auch für weitere gymnasiale Kinder. Zum anderen werden stadtweit mehr Plätze in allen Bildungsgängen benötigt, damit das gute System der vielfältigen Schulformen und Profile auch unter den Bedingungen des anhaltenden Bevölkerungswachstums funktionieren kann.

Die entscheidende Frage aber ist nicht die nach dem Willen von Eltern, Lehrern, Ämtern oder anderen an der Niederräder Schulentwicklung Beteiligten. Die wirklich wichtige Frage ist die, welche Schulform Kinder erfolgreich beschult. Und ob es in Frankfurt insgesamt neben dem überwählten Gymnasium genügend Schulplätze in anderen Bildungsgängen gibt, die Kinder und Jugendliche erfolgreich zum Abschluss führen.

Dazu hat die CDU eine klare Auffassung: Kooperative Gesamtschulen vereinen alle Bildungsgänge unter einem Dach. Kinder werden dort ab Klasse 5 nach Bildungsgängen getrennt, mithin in Lerngruppen von begrenzter Heterogenität, unterrichtet; dieser Umstand erleichtert die begabungsgerechte Förderung jedes Kindes, wie schon die Leistungsvergleiche der Schulformen im Rahmen von PISA, aber auch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Deshalb sind auch längst nicht alle Eltern vom Angebot der Integrierten Gesamtschulen überzeugt.

Die räumliche Nähe der drei Schulzweige Gymnasium, Realschule und Hauptschule unterm Dach einer KGS führt zudem dazu, dass Schulwahlentscheidungen im Übergang auf die weiterführende Schule leichter korrigiert werden können. Die KGS verbindet also die Vorzüge eines eigenständigen Gymnasialzweigs mit der Flexibilität der räumlichen und organisatorischen Nähe zu den beiden anderen Zweigen. Daher ist es sehr sinnvoll, genau eine solche Schule im Süden Frankfurts zu eröffnen, zumal das Schulplatzangebot der geplanten KGS Niederrad mit drei Gymnasialklassen, zwei Realschulklassen und einer Hauptschulklasse dem tatsächlichen Bedarf nach Schulplätzen in den drei Bildungsgängen in etwa entspricht.

Es ist bedauerlich, dass es im vergangenen Jahr nicht gelungen ist, die Vorbereitungen für die neue KGS so weit voranzutreiben, dass der Schulstart Ende August erfolgen konnte und dem im Frühjahr erst genehmigten, aufwändigst erarbeiteten Frankfurter Schulentwicklungsplan in diesem Punkt zeitnah entsprochen werden konnte. Anstatt die vorgesehene genehmigte und dringend benötigte KGS weiter schlecht zu reden und dafür auch noch falsche Kronzeugen anzuführen, sollte die Schuldezernentin dafür sorgen, dass fehlende Voraussetzungen (Standort, Schulkonzept, Elterninformation etc.) endlich geschaffen werden.“

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