Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2016 - Wenn ein Bundesminister telefonierend den Raum verlässt, während er als Hauptredner vorgestellt wird, muss er viel Druck und wenig Zeit haben.

Dass Kanzleramtsminister Peter Altmaier, oberster Flüchtlingskoordinator der Republik, im Moment eine Menge um die Ohren hat, steht außer Frage. Gestern Nachmittag, „zu einer ungewöhnlichen Zeit, mitten am helllichten Tage“, wie er sagte, kam er trotzdem als Wahlkämpfer in den Saalbau Gutleut, um auf Einladung des CDU-Kreisverbands die Flüchtlingspolitik zu erläutern. Das war gut so.

Denn Altmaier – „ich bin nicht der wichtigste, aber der gewichtigste Minister“ – konnte zwar nicht allen alle Sorgen nehmen, aber es gelang ihm, den etwa 60 Zuhörern zu vermitteln, worauf die deutsche Regierung setzt, um die Flüchtlingszahlen zu senken: mehr Geld für Essen in den türkischen Flüchtlingslagern; mehr Geld für Schulen, weil die Syrer sehr auf Bildung für ihre Kinder achteten; Kampf gegen illegale Schleuser, und natürlich eine europäische Einigung über Kontingente, die die Türken zur Mitarbeit bewegen. Ob das gelingt? Eines steht für Altmaier wegen der Stärke Deutschlands außer Zweifel: „Wir müssen einen Beitrag dazu leisten, diese Krise zu lösen“ – nicht zuletzt, um die christlichen Werte nicht zu verraten.

Von Tobias Rösmann

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