Bartelt: Verwendung von Tieren in der Forschung immer eine schwierige Abwägung

„Land unterstützt Professuren zur Thematik“

Dr. Ralf-Norbert Bartelt MdL
Dr. Ralf-Norbert Bartelt MdL
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 24. September 2015 - „Der Verwendung von Tieren geht immer eine schwierige Abwägung zwischen den Anforderungen des Tierschutzes einerseits und den Notwendigkeiten der Forschung und Anwendung von Erkenntnissen andererseits voraus.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich alle Tierversuche und kein seriöser Forscher macht sich diese Entscheidung leicht. Aber immer noch existieren bestimmte Fragestellungen insbesondere in der Human- und Tiermedizin, die zufriedenstellend nur in Tierversuchen geklärt werden können, weil sich Experimente am Menschen aus ethischen Gründen verbieten oder im Vorfeld, etwa der Anwendung von Medikamenten, Risiken abgeklärt werden müssen. In jedem Fall wird durch die existierenden gesetzlichen Bestimmungen die Genehmigung, Durchführung und Überwachung durch qualifiziertes Personal, auch in den Regierungspräsidien, gewährleistet.

Wir wollen die Entwicklung von Methoden fördern, welche das Leiden von Versuchstieren vermindern, durch alternative Arbeitsweisen ersetzen oder ganz vermeiden können. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Entscheidung der Landesregierung, dies nicht nur im Rahmen der aktuellen Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes aufzugreifen, sondern zudem zwei Professuren an den Universitäten in Frankfurt a. M. und Gießen in den nächsten fünf Jahren mit rund zwei Millionen Euro zu unterstützen“, sagte der hochschulmedizinische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Ralf-Norbert Bartelt, im Rahmen der Diskussion zum Setzpunkt von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drs. 19/2416).

Mit den beiden neuen Professuren solle gezielt die Erforschung von so genannten „3-R“-Verfahren gefördert werden. Sie ermöglichten es, Tierversuche durch Experimente an Materie zu ersetzen („Replacement“) oder deren Zahl mit verbesserten Untersuchungstechniken zu verringern („Reduction“). Die Optimierung von Testabläufen werde unter dem Begriff „Refinement“ zusammengefasst. Bartelt erläuterte hierzu: „In Gießen besteht bereits eine Professur für Tierschutz und Ethologie, die jedoch im Augenblick unbesetzt ist. Diese Professur soll mit einer Ausrichtung auf „3-R“ wiederbesetzt werden. Zudem wird das Land eine zusätzliche Professur zum Aufbau einer Nachwuchsgruppe in der „3-R“-Forschung für fünf Jahre finanzieren.“ In Frankfurt liege der Schwerpunkt auf dem „Replacement“, und zwar auf der Weiterentwicklung zellulärer Systeme, um neu entwickelte Wirkstoffe zu testen.

Ein völliger Verzicht auf den Einsatz von Versuchstieren sei zumindest nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der anwendungsorientierten Forschung jedoch wenig wahrscheinlich. „Ab einem gewissen Entwicklungsstand ist in der medizinisch-pharmazeutischen Forschung der Einsatz von Versuchstieren erforderlich, dies gilt es klar auszusprechen. Die hessischen Universitäten sind in diesem Forschungsbereich in den letzten Jahren auch sehr erfolgreich gewesen. Dies spiegelt sich beispielsweise in der erfolgreichen Einwerbung je eines Partnerstandortes bei den vier neuen Deutschen Gesundheitszentren zur Bekämpfung bedeutender Volkskrankheiten bzw. dem Erfolg in dem hessischen Forschungsförderprogramm LOEWE sowie im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wider. Vor dem Hintergrund eher wachsender Forschungsaktivität sind daher insbesondere die Ansätze des Refinements und des Replacements erfolgversprechend“, so Bartelt.

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