Frankfurt braucht konzertierte Strategie für Schulversorgung der kommenden Jahre

Ortsvorsteher Axel Kaufmann und Landtagsabgeordnete Bettina M. Wiesmann: „Maßnahmen des SEP wahrscheinlich nicht ausreichend. Frankfurt braucht kurzfristig mehr Plätze und mittelfristig bessere Regeln zur Schulwahl.“

Bettina M. Wiesmann MdL
Bettina M. Wiesmann MdL
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 5. Juni 2015. „Die Diskussionen der letzten Wochen haben deutlich gemacht: Frankfurts Hauptproblem ist, dass das gesamte Schulsystem sozusagen vollgelaufen ist.

Nicht nur, dass in diesem Jahr die Elternwünsche nach der vierten Klasse für 500 Kinder nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Nach Jahren der Zuweisung zusätzlicher Klassen an Schulen, v.a. Gymnasien, die dafür nicht ausgelegt sind, ist die Gesamtelastizität des Systems dahin. Schulwechsler oder hinzuziehende Kinder werden es künftig schwerer haben, eine passende Schule zu finden“, stellt die direkt gewählte Landtagsabgeordnete von Bornheim, Nordend und Ostend, Bettina M. Wiesmann, fest.

 
„Die Zahl der Schüler in Frankfurt wächst bereits seit mehreren Jahren“, ergänzte Axel Kaufmann, Ortsvorsteher im Westend. „Und dieses Wachstum dürfte sich in den kommenden Jahren eher noch beschleunigen. Wenn man von der derzeitigen Übergangsquote ausgeht, dürften die Kapazitäten an den Frankfurter Gymnasien auch unter Berücksichtigung des geplanten neuen achtzügigen Gymnasiums absehbar nicht ausreichen. D.h. aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass sich die diesjährigen Probleme in 2016 wiederholen werden. Wir bezweifeln, dass die Planungen des SEP realistisch sind, insbesondere in den nächsten zwei bis drei Jahren.“
 
Für die CDU-Politiker folgt daraus dreierlei:
 
1/ Schon im kommenden Jahr stellt sich das Problem, dass die etablierten Gymnasien kaum noch zusätzliche Klassen nehmen können. Auch wenn es gelänge, das lt. SEP-Entwurf vorgesehene zweite neue Gymnasium – für das noch kein Standort gefunden ist -, achtzügig an den Start zu bringen, blieben rd. 180 Kinder, die einem Mehrbedarf von weiteren sechs Klassen entsprechen würden, zur Verteilung auf die bestehenden  Gymnasien, die diese Kapazitäten aber effektiv nicht mehr haben. Dieser Zahl liegen die Annahmen des SEP-Entwurfs zugrunde, z.B. eine Übertrittsquote aufs Gymnasium von rd. 53% (die aber bereits in diesem Jahr bei knapp 56% lag). Inoffiziell gehen das Staatliche Schulamt (SSA) ebenso wie der Stadtelternbeirat von deutlich größeren Zahlen aus. „Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, Übergangsregelungen zu treffen“, folgerte Wiesmann. „Wir schlagen vor, befristet auf drei Jahre die zulässige Klassenfrequenz der Jahrgangsstufe 5 an Frankfurter Gymnasien um drei Schüler zu erhöhen. Damit könnten an Frankfurter Gymnasien insgesamt rd. 280 zusätzliche Plätze zur Verfügung gestellt werden, ohne die Schullogistik der betroffenen Schulen zu sehr zu strapazieren. Ergänzend sollte geprüft werden, für eine begrenzte Zeit den Samstagvormittag für den Unterricht zu nutzen.“
 
„Auch das Umland könnte für Hilfestellung gewonnen werden, z.B. durch Eröffnung zusätzlicher Klassen an Schulen, die ihre Belastungsgrenze noch nicht erreicht haben“, fügte Kaufmann hinzu.“ Hier muss die frühzeitige Abstimmung mit den benachbarten Schulträgern gesucht werden.“
 
2/ In den darauffolgenden Jahren würden, ausgehend von den Zahlen des SEP-Entwurfs, die Probleme sich noch verschärfen. Daher brauche es über das geplante neue Gymnasium und die geplante neue Gymnasiale Oberstufe hinaus weitere Schulen, so Kaufmann. „Freie Träger, z.B. die Kirchen, sollten angesprochen werden, ob sie Neugründungen in Frankfurt in Erwägung ziehen könnten."
 
„Auch im nichtgymnasialen Bereich braucht es mehr Plätze", ergänzte Wiesmann. "Ob die Gründung neuer IGSen hilft, darf bezweifelt werden, denn schon jetzt sind die Gesamtschulen für einen großen Teil der Eltern nur zweite Wahl. Dass die Stadt lt. SEP-Entwurf die KGS-Kapazitäten ausbauen will, ist ein guter Schritt, dem weitere folgen sollten. Auch über den Ausbau reiner Realschulen und evtl. von derzeit auf dem Bildungsgipfel in Wiesbaden diskutierten "Sekundarschulen", die Haupt- und Realschüler zunächst gemeinsam, dann später getrennt nach Abschlüssen unterrichten, muss nachgedacht werden", so die Abgeordnete, die in Wiesbaden im Schulausschuss sitzt.
 
3/ Schließlich, so die CDU-Politiker, müsse endlich die Frage nach der passenden Beschulung möglichst aller Kinder angegangen werden. „Das SSA hat beobachtet, dass rd. 30% der aufs Gymnasium eingeschulten Kinder dort nicht reüssieren und es daher verlassen müssen. Dabei stellt sich nicht die Frage nach der Haltekraft der Gymnasien, sondern vorrangig die Frage nach der Eignung eines jeden Kindes. Nicht jede Begabung wird auf dem Gymnasium am besten entfaltet. Daher muss der Übergang 4/5 grundsätzlich verändert und ein verbindliches Leistungskriterium in den Regelungen verankert werden“, unterstrich Wiesmann.
 
"Fazit: Es braucht eine konzertierte Schulstrategie, damit Frankfurter Kinder in den kommenden Jahren nach ihren Begabungen und Neigungen beschult werden können. Das Wachstum der Stadt ist eine Herausforderung, die bewältigt werden kann, wenn kurz- und mittelfristig alle Beteiligten zusammenwirken und auch unkonventionelle Maßnahmen herangezogen werden. Ein Weiter-So wird auch auf Basis des SEP-Entwurfs nicht reichen", schließen Kaufmann und Wiesmann.
 
 
 

Inhaltsverzeichnis
Nach oben