Kaufmann/Wiesmann: Frankfurter Schülerzuweisung muss Leistungen der Kinder und Wünsche der Eltern besser berücksichtigen

„Verteilkriterien, Übergang 4/5 und Schulentwicklungsplanung auf den Prüfstand“

Bettina M. Wiesmann MdL
Bettina M. Wiesmann MdL
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 27. April 2015. Mit „großem Verständnis für die Verärgerung vieler Eltern über die Nichtberücksichtigung der Schulwünsche ihrer Kinder in der Schülerzuweisung für das kommende Schuljahr" reagierten der Ortsvorsteher im Frankfurter Westend, Axel Kaufmann und die direkt gewählte Landtagsabgeordnete der Stadtteile Bornheim, Nordend und Ostend, Bettina M. Wiesmann (beide CDU) auf die Klagen Frankfurter Eltern.

"Das Verfahren der Frankfurter Schülerzuweisung muss dringend überdacht werden", forderte Kaufmann. "Es kann nicht sein, dass für einen Teil der Kinder der Wunsch nach einer auch für Fünftklässler gut erreichbaren Schule oder nach einem bestimmten Schulprofil am Ende überhaupt keine Rolle spielt", so der Ortsvorsteher, der die Bedürfnisse von Eltern im innenstadtnahen Westend bestens kennt. Wenn überdies die unterschiedlichen Schulleistungen der Kinder in der Grundschule überhaupt keinen Einfluss auf ihre Schulwahlchancen hätten, so Kaufmann weiter, und am Ende Kinder ohne Gymnasialempfehlung berücksichtigt würden, Kinder mit eindeutigen Leistungen und entsprechender Empfehlung aber nicht, sei dies nicht akzeptabel.

 
"Zu den Hausaufgaben der Schulverwaltung gehört eine kluge Beratung der Grundschuleltern, die nicht allein auf die Optionen Gymnasium und IGS abstellt, wie es derzeit häufig zu beobachten ist", fuhr Kaufmann fort. Vertreter von Realschulen, verbundenen Haupt- und Realschulen sowie von KGSen müssten systematisch einbezogen werden. "Auch die momentan laufende Fortschreibung des Schulentwicklungsplans muss im Lichte der neuen Situation überprüft werden:

Frankfurter Eltern wählen schon heute nur zu einem kleineren Teil die Gesamtschule, mehrere IGSen sind seit Jahren wenig nachgefragt. Vor diesem Hintergrund in Frankfurt drei weitere IGSen errichten zu wollen, wie Frau Sorge in ihrem Entwurf zum SEP vorschlägt, erscheint wenig zielführend", ergänzte Wiesmann. Hingegen müsse diskutiert werden, wie Realschulen und verbundene Haupt- und Realschulen sowie KGSen so ausgestattet  und ausgerichtet werden könnten, dass sie wieder zu voll akzeptierten Alternativen für Kinder ohne Gymnasialempfehlung würden, so die Abgeordnete weiter.
 
Zudem brauche die Stadt dringend eine oder mehrere eigenständige gymnasiale Oberstufen, um den Schülern der Gesamtschulen wie der Realschulen und verbundenen Haupt- und Realschulen eine verlässliche Anschlussperspektive zu bieten und so diese Schulen wieder attraktiver zu machen. Dafür fehlten derzeit die gesetzlichen Grundlagen im Schulgesetz. "Dass hierfür die gesetzlichen Voraussetzungen im Schulgesetz geschaffen werden, dafür setze ich mich auf Landesebene ein", so Wiesmann.

"Unabhängig von der akuten Frankfurter Problematik brauchen wir schließlich eine grundsätzliche Überlegung, den Übergang auf die weiterführende Schule auch in den gesetzlichen Grundlagen anders zu regeln. Das ausschließliche Abstellen auf den Elternwillen führt zu einer Entwertung der Beratung durch Grundschullehrer und staatliche Stellen, die in ihren Wirkungen problematisch ist. Zu diskutieren wäre, ob nicht die aufnehmende Schule in den Beratungsprozess zwingend eingebunden sein sollte. Des Weiteren sollten die Grundschulleistungen der Viertklässler bei der Schülerzuweisung eine Rolle spielen. Dies hätte auch wertvolle Nebenwirkungen auf die Leistungsbereitschaft der Grundschulkinder zur Folge", schlossen Kaufmann und Wiesmann ihre Stellungnahme.

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