Fachausschuss Wirtschaft: Besuch der MHKW Nordweststadt der Mainova AG

(v.r.): Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, mit Christoph Fay und Mainova-Technik Vorstand Prof. Peter Birkner
(v.r.): Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, mit Christoph Fay und Mainova-Technik Vorstand Prof. Peter Birkner
Frankfurt am Main, 5. März 2015 - Der Fachausschuss Wirtschaft hat bei seiner letzten Sitzung das Müllheizkraftwerk Nordweststadt besucht.

Die 28 Teilnehmer wurden von dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Constantin Alsheimer und dem Technik Vorstand Prof. Peter Birkner begrüßt und fachkundig durch das Werk geführt, das 65 000 Haushalte mit Strom und 47 000 Haushalte und Abnehmer mit Fernwärme versorgt.
 
In Zeiten, in denen es immer wieder zu Stromausfällen aufgrund von hohen Schwankungen im Netz kommt, wollte der Fachausschuss sich informieren wie hoch die Versorgungssicherheit in Frankfurt mit den vier Kraftwerken West, Niederrad, Messe, Nordweststadt und Fechenheim ist. Darüberhinaus erzeugt die Mainova Strom mit Gaskraftwerken in Irsching und bei Bremen und ist auch in off-store Windparks in der Nordsee investiert. Der Fachausschuss konnte durch zwei Fachvorträge von
Dr. Alsheimer und Prof. Birkner insbesondere die Auswirkungen der Energiewende auf das Stromerzeugungsgeschäft besser nachvollziehen und die Veränderungen bei der Stromherstellung und die danach folgende Distribution in den Netzen.
 
Für die wachsende Stadt Frankfurt ( jedes Jahr 15 000 neue Einwohner) und für die neu hinzu kommenden Unternehmen ist sicherer Strom sehr wichtig. Die Mainova ist sowohl Stromproduzent als auch Netzbetreiber und hat einen weit über Frankfurt hinausgehenden Vertriebsbereich. Neben Strom liefert die Mainova auch Gas und Wasser. Da das Unternehmen in unterschiedlichen Märkten unterwegs ist, braucht das Unternehmen verschiedene Geschäftsmodelle. Der Wassermarkt ist ein reiner Monopolmarkt. Die Mainova investiert allein in Frankfurt 2016 130 Millionen Euro.
 
Dr. Alsheimer berichtete, dass es bis 2020 ein Überangebot an Kraftwerken in Deutschland geben würde und erläuterte die Kostenpositionen insbesondere die Netzkosten. Zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands gibt es aufgrund der hohen Unterschiede der Höhe der Netzentgelte eine heftige politische Diskussion über einheitliche oder nicht einheitliche Netzentgelte. Dr. Alsheimer plädierte für unterschiedliche Netzentgelte, was betriebswirtschaftlich gut nachzuvollziehen war.
 
Durch das Hinzukommen der regenerativen Energie kommt es zu hohen Schwankungen von Angebot dieser Energieart abhängig von Sonneneinstrahlung und Windsituation. Daher ist die politische Hauptfrage, ob der Markt nach Kapazität oder als Energy Only Market abgebildet wird. Nach Einschätzung Dr. Alsheimers kommt der Kapazitätsmarkt nicht.
 
Nach diesem Fachvortrag konnten sich die Teilnehmer von der professionellen Müllverwertung überzeugen und lernten durch Treppensteigen und Treppenabsteigen die gesamt Anlage kennen, insbesondere die Abladerampe mit den Lastkränen, die Verbrennungsöfen und die daran hängende Energieherstellung mit Turbinen und Fernwärmeerhitzern. In den gesamten Werk gab es keine Etagen, sondern nur Höhenangaben, z.B. 16,9 m, die anzeigten auf welchem Niveau man sich gerade befand. Beeindruckend war der Blick in die Kommandozentrale, in der alle Prozesse kontrolliert werden im Dreischichtbetrieb 24 Stunden rund um die Uhr. Man fühlte sich wie in einem Raumfahrzentrum.
 
In dem zweiten Fachvortrag hat Prof. Birkner die technischen und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende dargestellt. Der Preis sei gestiegen wegen des extrem hohen Steueranteils. Man müsse hierbei auf jeden Fall eine soziale Instabilität vermeiden. Durch die Energiewende sind die Brennstoffkosten um ein Drittel weniger geworden und werde jetzt durch die regenerative Energie ersetzt. Insgesamt konnte er feststellen, dass der Transformationsprozess sehr viel Geld kostet. Erst wenn das EEG ausläuft sind Preise von 2 Cent pro Kilowatt möglich. Dann erst wird Energie wieder billiger. Auch die Verbundnetzsteuerung sei sehr viel aufwendiger und risikobelasteter geworden. Im Verbundnetz gebe es pro Jahr 1000 Eingriffe, ein vielfaches im Vergleich zu früher. Hier sei aktives Lastenmanagement gefordert. Die Zuverlässigkeit des Frankfurter Netzes sei sehr hoch, aber systembedingte Spannungseinbrüche nehmen zu. Daher werden regelmäßig Notfallübungen durchgeführt, wenn aus der Rückfallebene von vier Sektoren ein Sektor ausfiele. Alles wurde ausprobiert und mit Erfolg getestet.
 
Danach erläuterte Prof. Birkner, dass alle Kraftwerke in Frankfurt verbunden werden. Daher habe es in den vergangenen Monaten auch intensiv Arbeiten z.B. in der Miquelallee gegeben. Dies erhöhe die Flexibilität und die Effizienzsteigerung.
 
Insgesamt konnte der Fachausschuss sich überzeugen, dass die Energieversorgung in Frankfurt gut gemanagt wird und dass Frankfurt ein hohes Energiesicherheitsniveau hat. Das Ziel muss es sein, eine nachhaltige, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen.

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