Steinbach: Erdogans Beileidsbekundung müssen weitere Schritte folgen

Gedenken zum 99. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Erika Steinbach MdB
Erika Steinbach MdB
Berlin/Frankfurt am Main, 29. April 2014 - Zum 99. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern hat der türkische Ministerpräsident Erdogan erstmals sein Beileid zum Tod Hunderttausender Armenier in der Endphase des Osmanischen Reiches ausgesprochen.

Dazu erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach:

„Der türkische Regierungschef Erdogan hat in seiner Erklärung die Tragödie von 1915 weiterhin nicht als Völkermord bezeichnet. Seine Geste ist vor allem dem internationalen Druck geschuldet. Mit Blick auf den 100. Jahrestag der Ereignisse im nächsten Jahr müssen weitere konkrete Schritte folgen.

Dass Erdogan das Schicksal der Armenier in den geschichtlichen Zusammenhang mit dem Leid stellt, das viele Volksgruppen beim Zusammenbruch des Osmanischen Reiches erdulden mussten, hat seine Aussagen stark relativiert.

Die Gewalt richtete sich damals gegen alle autochthonen christlichen Gemeinden des Landes. Neben den Armeniern waren auch die aramäischen Christen betroffen. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel ist bis heute zu einem Symbol geworden für den Kampf der religiösen Minderheiten um eine Zukunft in ihrer Heimat, der noch immer nicht abgeschlossen ist.

Es genügt nicht, einer Historikerkommission die Verantwortung für die Aufarbeitung der Verbrechen zuzuweisen. Es bleibt unabdingbar, die Ereignisse von 1915 klar als Völkermord zu benennen und damit die Grundlage für eine wirkliche Aufarbeitung dieses Kapitels der türkischen Geschichte zu legen. Dieser Prozess wird erst dann wirklich zu einem Ende kommen können, wenn die heutige Türkei das Menschenrecht auf Religionsfreiheit uneingeschränkt umsetzt.

Solange aber türkische Schulbücher den Völkermord an den Armeniern so verzerrt darstellen und ein türkischer Generalkonsul in Deutschland wie gerade in Konstanz wegen der Aufführung eines Theaterstücks über die Tötung von Armeniern im Osmanischen Reich interveniert, sind die neuen Töne Erdogans nicht glaubwürdig.“

Hintergrund

Am 24. April 2015 begann die Vertreibung der Armenier im Osmanischen Reich, dem Vorgänger der heutigen türkischen Republik. Bei Massakern und Todesmärchen starben bis zu eineinhalb Millionen Menschen. Armenien, mehr als 20 andere Länder und zahlreiche Historiker stufen die Vorgänge als Völkermord ein. Die Türkei lehnt diese Einschätzung dagegen bislang entschieden ab.

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