Schneider will im Römer anpacken

Der 31 Jahre alte CDU-Politiker möchte im Magistrat nicht nur ein Rumpfdezernat führen

Jan Schneider MdL
Jan Schneider MdL

Frankfurter Rundschau, 13. März 2013 - Einen Grund zum Feiern wird Jan Schneider im Juni definitiv haben. Dann soll seine zweite Tochter zur Welt kommen. Von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hängt es ab, ob sich der CDU-Politiker im ersten Sommermonat doppelt freuen kann.

"Ich möchte Stadtrat werden", sagt der groß gewachsene Mann mit den kurzen, gegelten Haaren und der schwarzen Brille selbstbewusst. Der 31 Jahre alte Ortsbeirat, Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete will das Dezernat von Volker Stein (FDP) übernehmen, wenn dieser voraussichtlich im Oktober ausscheidet.

In den vergangenen Wochen und Monaten ist über diesen hauptamtlichen Magistratsposten heftig diskutiert worden. Feldmann will das Dezernat komplett einsparen, Stein hält das Dezernat in seinem jetzigen Zuschnitt für überflüssig. "Die Stadt Frankfurt braucht keinen eigenen Infrastrukturdezernenten, der sich um Stadtentwässerung, das Bürgeramt und das E-Government kümmert", hatte Stein im FR-Interview gesagt. Dem stimmt auch Jan Schneider zu. Zumal sich Stein ab Juni nur noch um das E-Government kümmern soll.

OB muss entscheiden

"Ich trete nicht an, um ein Restdezernat zu führen", betont Jurist Schneider. "Die Verteilung innerhalb des Magistrats ist sachlich nicht gerechtfertigt." Die Aufgaben in der Stadt seien in den vergangenen Jahren nicht weniger, sondern mehr geworden. "Frankfurts Verwaltung sollte den Anspruch haben, dass sie ordentlich geführt wird", findet der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Es sei zwar richtig, wenn Feldmann sage, man müsse nicht nur Indianer, sondern auch Häuptlinge sparen. "Aber wenn ich einen Häuptling streiche, sind dessen Aufgaben ja nicht weg", argumentiert Schneider. Der OB "sollte sich überlegen, ob das nicht zu kurz gesprungen ist". Ihm gehe es nicht darum, irgendeinen Posten zu haben. "Ich will im Magistrat mitanpacken", sagt Schneider. Der OB werde sich überlegen müssen, ob er "aus politischem Trotz heraus" das Dezernat so belässt, wie es ist. Schneider rechnet damit, dass Feldmann einen Weg finden wird. "Der Oberbürgermeister muss entscheiden, welche Aufgaben er mir überträgt."

Trotz seiner jungen Jahre hat der leidenschaftliche Motorradfahrer bereits eine beachtliche Politikerlaufbahn hingelegt. Geprägt durch seinen Vater, der für die CDU im Ortsbeirat 12 (Kalbach, Riedberg) saß, wurde Schneider im Alter von 20 in das Stadtteilgremium gewählt. Vier Jahre später wurde er Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Seit 2003 ist Schneider Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbandes Kalbach-Riedberg.

Mit 25 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Im Februar 2012 rückte er als Ersatzkandidat in den Hessischen Landtag. Zuvor arbeitete Schneider in der Rechtsabteilung der Polizei und als Referent von Boris Rhein im hessischen Innenministerium. Mit Rhein pflegt er "ein gutes und freundschaftliches Verhältnis".

Rhein mit Erfolgsaussichten

Dass Schneider wegen des möglichen Dezernatspostens auf eine Landtagskandidatur im Wahlkreis 39 zugunsten von Rhein verzichtet hätte, entspreche nicht der Wahrheit. "Man darf nicht in Selbstüberschätzung verfallen", findet Schneider. Es gehe darum, wer die meisten Erfolgsaussichten habe, und das sei eindeutig "der profilierte Innenminister".

Im Juni wird sich für Schneider entscheiden, "ob der Wechsel in den Magistrat klappt oder ich wieder ins Ministerium gehe". Spaß würde ihm beides machen. Die größte Freude, unterstreicht er, werde ihm aber die Geburt seiner Tochter bereiten.

Von Timur Tinç

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