Zimmer: Erhalt der psychischen Gesundheit von Beschäftigten muss zur Selbstverständlichkeit in jeder Unternehmenskultur werden

Dr. Matthias Zimmer MdB
Dr. Matthias Zimmer MdB
Berlin/Frankfurt am Main, 26.Oktober 2012. Die Verdichtung von Arbeit sei zu einem großen Problem geworden, so der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer in der Bundestagsdebatte zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt.

„Die Tatsache, dass wir die Arbeitseffizienz in den letzten Jahren in einem erheblich höheren Maße steigern konnten als die Materialeffizienz und die Energieeffizienz, spricht sicherlich nicht für Nachhaltigkeit. Arbeit nur als einen Produktionsfaktor zu sehen und sie nur als Human Resource zu bezeichnen, entspricht aus meiner Sicht nicht der Personalität der Arbeit, die zum Ausdruck kommen sollte“, so Zimmer. Es überrasche dann nicht, dass 67 Prozent der Menschen in ständiger Hektik und Unruhe die größten Auslöser von Stress sehen und dass die Weltgesundheitsorganisation beruflichen Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt habe.


Zimmer zeigte sich skeptisch, ob es tatsächlich richtig sei, die psychischen Belastungen im Arbeitsleben vorrangig über gesetzliche Maßnahmen oder über Verordnungen zu regeln. Es sei wichtiger erst einmal vornehmlich in die Betriebe hineinzuschauen. „Der Erhalt der psychischen Gesundheit von Beschäftigten muss zur Selbstverständlichkeit in jeder Unternehmenskultur werden. Die besten Lösungen können partnerschaftlich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gefunden werden“, so Zimmer. Dabei sollten sie von Krankenkassen, Rentenversicherungen, Werks- und Betriebsärzten, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Innungen und Kammern Unterstützung erhalten. Das entspreche dem Prinzip der Subsidiarität.
 

Zimmer weiter: „Wir sollten einen gesamtgesellschaftlichen Prozess initiieren, damit psychische Erkrankungen, vor allen Dingen Depressionen, enttabuisiert werden, damit Erkrankungen dieser Art und Weise nicht als Schwachheit oder Mangel ausgelegt werden, sondern als etwas, das jedem Arbeitnehmer passieren kann. Wir müssen auch darangehen, eine genau Diagnostik und Klassifikation des Begriffes >>Burn-out<< zu erreichen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass der Begriff >>Burn-out<< ein bisschen den Stellenwert des Begriffes der Hysterie im 19. Jahrhundert hat: Man klebt das Label auf unterschiedlichste Symptome, ohne genau zu wissen, was man damit letztendlich meint. Und ich bin auch der Überzeugung, dass eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer über eine Kapitalbeteiligung, eine Prozessbeteiligung oder andere Formen der Beteiligung ebenfalls hilfreich ist, wenn es darum geht, die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz deutlich zu senken.“

Zimmer betonte, es sei wichtig, aus den Entwicklungen keine falschen Schlussfolgerungen zu ziehen: „Die IG-Metall verspricht sich beispielsweise von einer >>Anti-Stress-Verordnung<< mehr Verbindlichkeit und Rechtssicherheit. Doch das Ganze auf einem relativ abstrakten Niveau. Daher stellt sich für mich die Frage, ob ein mehr an gesetzlicher Reglementierung Arbeitnehmer wirklich zufriedener macht.“ In wichtigen Gestaltungsfeldern (z.B. Betriebsklima, Handlungs- und Entscheidungsspielräume, Führungsverhalten) würden die Interventionsansätze einer solchen Verordnung eine konkrete Normierung nicht zulassen, weil die Festlegung von Grenzwerten bzw. die Beschreibung verbindlicher Gestaltungsmaßnahmen in diesen Bereichen kaum möglich sei.

„Eines ist doch klar: Wenn wir vernünftig sind, wenn wir vernünftig mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen, dann brauchen wir keine Gesetze. Wenn wir nicht vernünftig sind, dann helfen keine Gesetze“, bekräftigte Zimmer abschließend.

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