Lange: Trauerzüge bei anonymen Bestattungen zulassen

CDU-Fraktion tritt für eine Änderung der Friedhofsordnung ein

Robert Lange, Stadtverordneter
Robert Lange, Stadtverordneter
Frankfurt am Main, 28. Juni 2012 - Vor dem Hintergrund aktueller Medienberichte über anonyme Bestattungen auf Frankfurter Friedhöfen hebt der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Frankfurt am Main, Robert Lange, noch einmal die Bedeutung einer angemessenen Friedhofskultur und einer würdevollen Bestattung jedes einzelnen Menschen hervor.

 „Die derzeit gültige Friedhofsordnung orientiert sich klar an unserer gewachsenen Friedhofskultur. Der Hauptfriedhof und die Stadtteilfriedhöfe sind demnach Orte der Einkehr und Besinnung, der Grabpflege und des persönlichen Gedenkens an die Verstorbenen“, sagte Lange. Nach der Friedhofsordnung sei die Wahl unterschiedlicher Begräbnisstätten möglich. Für die CDU-Fraktion, so der Stadtverordnete, ist die Wahlfreiheit der Begräbnisform ein wesentlicher Vorzug der Friedhofsordnung. „Deshalb halten wir es für richtig, dass der zu Lebzeiten dokumentierte Wunsch eines Verstorbenen geachtet wird. Das kann auch eine anonyme Bestattung sein“, äußerte Lange. Die Friedhofsordnung lasse anonyme Grabstätten zu, deren Besonderheit unter anderem im Fehlen eines Grabsteins oder einer Namensplatte und dem Verzicht auf einen Trauerzug zur Grabstätte bei der Bestattung besteht.

„Wer sich für diese Form der Beisetzung entschieden und dies testamentarisch so verfügt hat, hat die Anonymität bewusst gewählt. Diese selbstbestimmte Entscheidung entzieht sich jeder politischen Diskussion“, so der Stadtverordnete, der auch noch einmal klarstellte, dass die Stadt bei Verstorbenen, die vormals Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch bezogen haben, nicht einfach eine anonyme Bestattung anordne. Vielmehr sei im sozialhilferechtlichen Sinne zwar eine einfache, aber dennoch der Würde des Toten entsprechende Beerdigung zu gewährleisten. „In solchen Fällen erfolgt grundsätzlich eine Feuer- oder Erdbestattung im Reihengrab, wobei auch eine Grabplatte mit dem Namen des Verstorbenen angebracht wird“, erläuterte Lange.


Schon bei den Vorarbeiten zur neuen, im Jahr 2010 in Kraft getretenen Friedhofsordnung habe sich abgezeichnet, dass auch bei anonymen Grabstätten häufig der Wunsch nach einem Trauerzug besteht. In der Friedhofsordnung sei diesem Wunsch durch Einführung der „individualisierbaren anonymen Grabstätte“ (§ 21) Rechnung getragen. „Das ist eine Alternative zum anonymen Grab. Die Gesamtkosten bleiben vergleichbar, die Ruhestätte erfordere auch keine individuelle Grabpflege, aber es besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Beisetzung am Grab. Ein Pfarrer kann also mitgehen“, so Lange. Der CDU-Stadtverordnete bedauerte gleichwohl, dass solche Grabstätten bisher nur auf dem Parkfriedhof Heiligenstock angeboten würden.

„In Frankfurt besteht ein breites Interesse, auch auf weiteren Friedhöfen diese Grabstätten vorzufinden, um auch bei anonymen Bestattungen mit einem Trauerzug Abschied nehmen zu können. Deshalb haben wir über den Umweltausschuss und die Friedhofskommission bereits die Initiative ergriffen, um die individualisierbaren anonymen Bestattungen auf allen größeren Friedhöfen Frankfurts möglich zu machen. Wir sind zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird. Darüber hinaus würden wir es sehr begrüßen, wenn auch die Pietäten auf die schon bestehende Möglichkeit dieser individuellen und gleichwohl anonymen Bestattungsform hinweisen würden“, sagte Lange abschließend.

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