CDU will Fluglärm-Opfern helfen

"Aktionsprogramm" fordert eingeschränkte Nutzung der Landebahn, neue Flugrouten und mehr Schallschutz

Stadtrat Uwe Becker, Kreisvorsitzender der Frankfurter CDU, Stadtkämmerer
Stadtrat Uwe Becker, Kreisvorsitzender der Frankfurter CDU, Stadtkämmerer

Frankfurter Rundschau, 28. Juni 2012 - Die Frankfurter CDU reagiert auf den anhaltenden Protest gegen den wachsenden Fluglärm. Mit einem "Aktionsprogramm" will die Partei den betroffenen Menschen entgegenkommen.

Dazu gehört, dass die Nutzung der neuen Nordwestlandebahn stark eingeschränkt werden soll. Die CDU fordert aber auch neue Flugrouten, ein Anflugverbot für besonders laute Flugzeuge und eine Ausweitung des passiven Lärmschutzes. Die neue Landebahn soll nach dem Willen der CDU künftig tagsüber nur dann genutzt werden, wenn die drei anderen Start- und Landebahnen keine freien Kapazitäten mehr aufweisen. Tatsächlich wird die Piste zurzeit vom Flughafen aber nicht als Zusatzangebot, sondern als Alternative zu den alten Bahnen eingesetzt.

Die CDU will, dass die Bahn nur noch von besonders lärmarmen Flugzeugen angeflogen wird. Es soll festgelegt werden, welchen lauten Maschinen eine Landung versagt wird. Durch neue Flugrouten möchte die Partei eine Entlastung der Menschen, insbesondere in Niederrad erreichen. Die Abflugroute "07 N-kurz" will die CDU streichen und durch eine neue Route "07 N-ultralang" ersetzen. Dieser neue Kurs in östlicher Richtung, südlich entlang der A 3 und damit eine Südumfliegung Offenbachs würde dazu führen, dass die Maschinen dicht besiedeltes Gebiet erst dann überfliegen, wenn eine erhebliche Flughöhe erreicht ist.

Der passive Lärmschutz muss nach dem Willen der CDU im Frankfurter Süden stark ausgebaut werden. Das Casa-Programm, mit dem stark lärmbelastete Liegenschaften aufgekauft und Entschädigungen gezahlt werden, soll auf den Frankfurter Süden ausgeweitet werden. Bisher gelte es nur für Flörsheim. Die CDU argumentiert, dass im Süden Frankfurts regelmäßig viel mehr laute Fluglärmereignisse registriert würden als in Flörsheim.

So habe es in Flörsheim im Januar 96 Maximalpegel von 70 dB(A) gegeben, im Februar 144 und im März 153. An der Lärmmessstelle Lerchesberg seien dagegen im Januar 204 Maximalpegel registriert worden, im Februar 152 und im März 187. An 75 Prozent aller Tage im Monat werde über dem Frankfurter Süden gelandet: Es dürfe nicht sein, dass diese Quartiere beim Casa-Programm leer ausgingen.

Die CDU denkt freilich nicht daran, das Nachtflugverbot auf die Zeit von 22 bis 6 Uhr auszuweiten. Das genau ist eines der Ziele des neuen OB Peter Feldmann (SPD). Hier liegt also Konfliktpotenzial. Derzeit sind Flüge in der Phase zwischen 23 und 5 Uhr untersagt.

Der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker bestätigte einen FR-Bericht, demzufolge die schwarz-grüne Koalition den neuen OB nicht ohne weiteres in den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Fraport entsenden wird. Man müsse die Gespräche mit Feldmann abwarten, sagte er. Auf die Frage, ob nicht er selbst die Stadt im Aufsichtsrat vertreten könnte, lachte Becker: "Ein Stadtkämmerer kann grundsätzlich alles."

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