Steinbach/Schuster: Selbstverbrennungen sind Ausdruck tiefster Verzweiflung aufgrund chinesischer Unterdrückungspolitik

Erika Steinbach MdB
Erika Steinbach MdB
Berlin/Frankfurt am Main, 19. Juni 2012 - Zur den wiederholten Selbstverbrennungen tibetischer Mönche und Nonnen erklären die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, und die menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Marina Schuster:

 
"Die steigende Zahl der Selbstverbrennungen tibetischer Mönche, Nonnen und junger Tibeter ist schockierend. Nach der Selbstverbrennung von Tamdin Thar am vergangenen Freitag ist die Zahl der Verzweiflungstäter seit Februar 2009 auf 39 gestiegen, mindestens 29 Todesopfer sind Berichten zufolge zu beklagen. Die Selbstverbrennungen sind Ausdruck tiefster Verzweiflung über fehlende Freiheit, insbesondere nicht vorhandener Religionsfreiheit sowie die Nichtgewährung kultureller Selbstbestimmung des tibetischen Volkes.
 

Nach Angaben des Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie mit Sitz in Dharamsala, Indien sind Tamdin Thar und seine Familie durch die chinesische Regierung umgesiedelt worden. Sie haben dabei ihr Land sowie ihr Hab und Gut verloren. Die Umsiedlung von Nomaden wird seit Jahren von der chinesischen Regierung praktiziert.
 
Die chinesische Regierung muss endlich die einzigartige religiöse, sprachliche und kulturelle tibetische Identität anerkennen. Ziel muss eine kulturelle und religiöse Selbstbestimmung des tibetischen Volkes innerhalb der Grenzen Chinas sein. Wir fordern die chinesische Regierung auf, religiöse Kontrollen zu beenden und den Dialog mit der tibetischen Führung zur Situation Tibets wieder aufzunehmen.
 
 

Hintergrund:
 

Die Welle von Selbstverbrennungen seit dem Jahr 2009 ist in der tibetischen Geschichte ein bisher einmaliger Vorgang. Selbsttötungen stehen im Widerspruch zu den zentralen Prinzipien des tibetischen Buddhismus. Die Tibeter verweisen jedoch auf die politische Natur der Selbstverbrennungen. Sie wenden sich damit gegen alltägliche Erniedrigung und abverlangte Obrigkeitstreue. Mönche und Nonnen sind im Rahmen der „patriotischen Erziehungsmaßnahmen“ davon insbesondere betroffen.

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