Drei Jahrzehnte im Römer

Früherer Bürgermeister Hans-Jürgen Moog wird 80

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2012 - Wer sich in der Geschäftsstelle der CDU-Fraktion nach Details über Hans-Jürgen Moogs Karriere erkundigt, bekommt als Erstes den folgenden Satz zu hören: „Das war der am längsten amtierende Fraktionsvorsitzende ever.“ Mit Betonung auf „ever“.

Das zeigt, welche Verehrung die Parteifreunde im Römer noch immer jenem Mann erweisen, der die Fraktion von 1965 bis 1982 ununterbrochen führte und der heute 80 Jahre alt wird.


Moog, am 13. Juni 1932 in Frankfurt geboren, ist keiner, der in Vergessenheit gerät. Zu lange hat er als Fraktionschef und von 1982 bis 1994 dann als Bürgermeister die politischen Geschicke der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg mitbestimmt. Allein im Archiv dieser Zeitung finden sich unter seinem Namen unglaubliche 2442 Einträge; daran zeigt sich, wie oft seine politischen Ansichten, Ideen und Bewertungen berichtenswert erschienen.

Etwa 20 Ehrungen hat der Jurist Moog für seine politische und ehrenamtliche Arbeit erhalten, unter ihnen das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenplakette der Stadt. Als er diese Auszeichnung vor knapp acht Jahren bekam, ließ Oberbürgermeisterin Petra Roth in ihrer Lobrede zwei Blätter mit Ehrungen einfach weg: Die Rede wäre sonst zu lang geworden.
Dafür berichtete Roth damals eine Anekdote aus ihrer Anfangszeit im Rathaus. Als sie 1977 in die CDU-Fraktion gekommen sei, habe deren Vorsitzender Moog sie streng ermahnt, sich der Würde des ehrenvollen Mandats gemäß zu verhalten. Entschuldigungen für ein Fehlen in der Stadtverordnetenversammlung nehme er im Übrigen nicht an: Dafür gebe es keine Entschuldigungen.

Fernbleiben liegt Moog, der mit seiner Frau in Sachsenhausen wohnt, nach wie vor nicht. Vor allem für seine Partei ist er immer da, „ein gerngesehener Gast“, sagen die Parteifreunde. Einer, der noch oft an den Vorstandssitzungen teilnimmt und der dem Stadtbezirksverband Nordend im vergangenen Jahr eine Spülmaschine schenkte. Einfach so.

Unentschuldigtes Fehlen kommt für Hans-Jürgen Moog auch immer noch nicht in Frage. Wenn er mal eine Vorstandssitzung ausfallen lassen muss, meldet er das an – und zwar Monate im Voraus.
 

Von Tobias Rösmann

Inhaltsverzeichnis
Nach oben