CDU-Fachausschuss Wirtschaft informierte sich über Auswirkungen des Nachtflugverbotes

Christoph Fay, Vorsitzender des CDU-Fachausschusses Wirtschaft der Frankfurter CDU
Christoph Fay, Vorsitzender des CDU-Fachausschusses Wirtschaft der Frankfurter CDU
Frankfurt am Main, 20. Dezember 2011 -  Der Fachausschuss Wirtschaft der Frankfurter CDU war zu Besuch bei Lufthansa Cargo, um sich vor Ort über die Auswirkungen des Nachtflugverbotes zu informieren und darüber zu diskutieren.

Nils Haupt, Leiter der Unternehmenskommunikation der Lufthansa Cargo, beschrieb zu Beginn die Entwicklung des gefundenen Kompromisses zwischen Ergebnis der Mediation mit einem Nachtflugverbot und den Anforderungen der Luftfahrtindustrie, die Nachtflüge für einen internationalen Flughafen für absolut notwendig halten. Der gefundene Kompromiss mit 17 Nachtflügen war aus Sicht der Luftfahrtindustrie gerade noch akzeptabel, bedeutete aber auch eine Planungssicherheit. Umso überraschender sei das Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofes gewesen, der im Oktober – unmittelbar vor Inkrafttreten des neuen Flugplanes – entschied, dass ab November bis zu einer endgültigen Klärung durch das Bundesverwaltungsgericht am Frankfurter Flughafen keine Nachtflüge mehr durchgeführt werden dürften.

 
Das seitdem bestehende Nachtflugverbot bedeute für die Lufthansa Cargo bis zum Jahresende ein Mehrverbrauch von mehr als zwei Millionen Litern Kerosin und Mehrkosten von über 15 Millionen Euro, da nun um 22 Uhr nach Köln geflogen werden müsse, um dann in der Nacht von dort die Flüge an die jeweiligen Ziele fortzusetzen, führte Haupt aus. Zudem müssten Waren und Personal noch über LKWs und Busse zwischen Frankfurt und Köln transportiert werden. Eine zeitliche Verschiebung der internationalen Flüge sei kaum möglich, da für Flüge in fremde Lufträume Zeitkontingente bzw. -fenster, in denen ein Flug zu erfolgen hat, erworben und zugeteilt wurden.
 
Auch in Zukunft möchte Lufthansa Cargo am Standort Frankfurt festhalten, da er alternativlos sei. Ein Ausweichen auf andere deutsche Flughäfen sei praktisch nicht möglich, da die Hälfte der anfallenden Fracht über Passagierflugzeuge abgewickelt würde, die in Frankfurt gebündelt und dann über Frachtflugzeuge weitergeleitet würden, erläuterte Haupt. Damit entfielen nahezu alle deutschen Flughäfen als Ausweichmöglichkeiten, da Frankfurt Heimatflughafen und Drehkreuz der Lufthansa-Flotte sei und die meisten internationalen Flüge hierüber abgewickelt würden. Ein internationales Luftfrachtdrehkreuz mache für die Lufthansa nur an solchen Standorten Sinn, an denen Passagier- und Frachtflugzeuge innerhalb kürzester Zeit be- und entladen werden könnten.  Denn Zeit sei der entscheidende Faktor in der Luftfracht. Ein Unternehmen überlege sich sehr genau, ob es Waren per Luftfracht transportiere, da die Kosten um das über dreißigfache höher seien als über Land- und Wasserwege. Es würde nur solche Fracht per Flugzeug transportiert, die sehr schnell umgeschlagen werden oder innerhalb kürzester Zeit ihren Zielort erreichen müsse.
 
Der Frankfurter Flughafen sei das Luftverkehrsdrehkreuz Europas und habe die Stadt Frankfurt bzw. das Rhein-Main-Gebiet zu einem der bedeutendsten Logistikzentren der Welt gemacht, betonte Haupt. Nicht nur die Lufthansa Cargo habe deswegen ihren Sitz in Frankfurt, sondern auch zahlreiche andere Logistikkonzerne und Industriebetriebe hätten Hauptsitze oder zumindest große Niederlassungen in der Nähe des Flughafens, führte er weiter aus. „Die Fracht braucht die Nacht“, sagte Haupt kurz und knapp und erläuterte, dass ein Nachtflugverbot einen schleichenden Abbau- bzw. Abwanderungsprozess zur Folge haben dürfte. Dies werde nicht schlagartig nach einem möglichen Urteil zugunsten eines Nachtflugverbotes erfolgen, da in den letzten Jahren zu viele Investitionen am Standort getätigt worden seien, aber langsam und stetig. Profitieren würden davon keine anderen deutschen Flughäfen, da dies ökonomisch keinen Sinn machen würde, sondern andere europäische Flughäfen wie Amsterdam oder Paris – von der Expansion des Flughafens Dubai als Drehkreuz zwischen Asien und Europa bzw. Amerika ganz abgesehen. Dies dürfte auch für Deutschland, das Logistikweltmeister ist und die größten Logistikkonzerne der Welt beheimate, negative Auswirkungen haben. Haupt betonte, dass Frankfurt seinen einmaligen Standortvorteil als Drehkreuz Europas und der Welt nicht verspielen solle, sondern vielmehr nutzen müsse, da dies sein entscheidender Standort- und Wirtschaftsfaktor sei und sehr viele Arbeitsplätze generiere.
 
Die Diskussion mit den Mitgliedern des CDU Fachausschusses Wirtschaft zeigte allerdings auch, dass eine Nachtruhe für die Menschen in der Region wichtig zur Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit sei und viele durch nächtlichen Flugverkehr gestört würden. Nils Haupt zeigte dafür Verständnis, betonte aber die Notwendigkeit der Nachtflüge für die Existenz der Lufthansa Cargo und der Region. Letztlich kam die Diskussionsrunde zum Ergebnis, dass sich der CDU Fachausschuss Wirtschaft für das Ergebnis des Planfeststellungsbeschlusses einsetzen werde, da hier mit 17 Flügen pro Nacht zwischen dem Bedürfnis der Menschen im Rhein-Main-Gebiet auf Nachtruhe und dem existenziellen Interesse der Luftfahrtindustrie an Nachtflügen maßvoll abgewogen werde. Der Ausschuss beauftragte seinen Vorsitzenden Christoph Fay, das Ergebnis der Diskussionsrunde dem Parteivorstand zu kommunizieren

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