Wiesmann: Eltern brauchen frühe und umfassende Information über Chancenvielfalt im hessischen Bildungssystem und Gefahren einseitiger Schulwahlentscheidungen - Breite gesellschaftliche Debatte nötig, um Eltern vor kontraproduktivem Bildungsehrgeiz z

Bettina M. Wiesmann MdL
Bettina M. Wiesmann MdL

Wiesbaden/Frankfurt am Main, 18. November 2016. Im Kontext der andauernden Diskussion um Schulwahl und Schulentwicklung in Frankfurt luden am 16. November die CDU-Verbände Bornheim, Nordend, Ostend sowie der Verein „Eltern für Schule“ e.V. zur Diskussion unter dem Titel „Qual der Schulwahl – Wege zu einer klugen Elternentscheidung beim Übergang in die weiterführende Schule“.

Es diskutierten Sabine Fischer, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Römerfraktion und Leiterin einer Grund-, Haupt- und Realschule im Frankfurter Westen, Roland Fiedler, Ausbilder und Inhaber des Familienunternehmens FREYA Reformhaus, Dr. Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der IHK Frankfurt und Wilfried Volkmann, Vorsitzender des Vereins ‚Eltern für Schule e.V.‘ unter der Moderation von Bettina M. Wiesmann MdL (CDU), Mitglied des Schulausschusses im Hessischen Landtag.

„Bildung ist das zentrale Zukunftsthema für Frankfurt und die Frankfurter CDU. Dabei geht es uns nicht nur um die Versorgung aller Schulkinder mit einem Schulplatz, sondern genauso wichtig ist uns, dass jedes Kind den richtigen Schulplatz findet – und zwar möglichst auf Anhieb. Denn Schulwechsel oder gar ein Schulabbruch können ein Kind nicht nur persönlich, sondern auch in seiner Bildungsbiografie schwer belasten, während eine passende Schulwahl nach der vierten Klasse in unserem vielfältigen Bildungssystem den Weg zu jedwedem Aufstieg stets offenhält. Daher haben wir uns in unserem Kommunalwahlprogramm sehr stark gemacht für eine umfassendere Information und bessere Beratung der Viertklässlereltern bei ihrer Schulwahlentscheidung und wollen, dass diese Reform jetzt schnell kommt“, betonte Sabine Fischer.

„Viele wohlmeinende und engagierte Eltern erziehen quasi hin zum Abitur und können sich kaum vorstellen, dass es für ihr Kind klügere Alternativen gibt“, ergänzte Roland Fiedler. „Dabei finden wir für uns geeignete und motivierte Auszubildende und später Arbeitnehmer viel weniger auf Grund ihres formalen Abschlusses als vielmehr anhand ihrer persönlichen Stärken. Im Handel brauchen wir Menschen, die auf andere zugehen und sie für unsere Produkte gewinnen können, alle anderen Eigenschaften und Fähigkeiten sind zweitrangig. Diese Stärken herauszufinden und dann zu entwickeln, ist die wichtigste Aufgabe, und sie beginnt bei den Eltern, die ihr Kind am besten kennen, aber auch die Chancen und Wege der Ausbildungs- und Berufswelt kennen müssen.“

Dr. Brigitte Scheuerle wies auf die Erkenntnisse zu den Berufs- und Verdienstmöglichkeiten von Ausbildungs- und akademischen Berufen hin. „Wenig bekannt ist, wie die beruflichen Chancen tatsächlich verteilt sind. Es ist ein Märchen, dass heute nur noch das Abitur das Tor zu weiteren Bildungschancen aufstößt, und genauso unwahr ist, dass nur akademische Qualifikationen lukrative Verdienstmöglichkeiten eröffnen. Mittlerweile kann man sogar mit einer dualen Berufsausbildung studieren.“

Wilfried Volkmann nutzte die Plattform, um den Teilnehmern aus den innerstädtischen Bezirken von seiner Initiative ‚Was soll mein Kind mal werden?‘ zu berichten, die im Frankfurter Westen und Süden bereits erfolgreich erprobt wird. „Wir haben den praktischen Weg eingeschlagen und ausprobiert, wie Eltern gut beraten und mit der Botschaft erreicht werden können, dass der vielfach empfundene Übergangsstress bei der Entscheidung für die weiterführende Schule unbegründet ist. Wer beim Übergang 4/5 eine kindgerechte Entscheidung trifft, ermöglicht seinem Kind  eine selbstbewusste Aufstiegskarriere, der vielfältigste Wege in den Beruf, aber auch ins Hochschulstudium offenstehen. Entscheidend ist, dass Eltern rechtzeitig mit Ausbildern, Unternehmern und Fachleuten zusammenkommen, die anschaulich vermitteln können, dass ein Abi auf Biegen und Brechen kein Erfolgsfaktor fürs weitere Leben ist, eine erfolgreiche Schullaufbahn aber schon.“

In der Diskussion wurde deutlich, dass viele sich eine noch deutlich frühere  Elterninformation der Schulämter wünschen, um eine vorurteilsfreie Überlegung im Hinblick aufs eigene Kind anzustellen und dieses zudem rechtzeitig in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen. Auch der gesellschaftliche Mainstream, die klassische Gymnasialbildung sei unter allen Umständen erstrebenswert und eigentlich alternativlos, wurde kritisch thematisiert.

Bettina M. Wiesmann fasste zusammen: „‘Was soll mein Kind mal werden?‘ ist eine bahnbrechende Initiative, die nicht ohne Grund bereits Zustimmung bei der neuen Frankfurter Schuldezernentin, aber auch im Kultusministerium gefunden und auch heute Abend Interessenten aus dem benachbarten Schulträgerbezirk OF angezogen hat. Es muss jetzt alles dafür getan werden, dass dieser Ansatz möglichst schnell Teil des neuen Regelverfahrens zum Übergang 4/5 wird. Im Frankfurter Norden, Osten und in den innenstadtnahen Quartieren sollten entsprechende Veranstaltungen für den kommenden Spätsommer und Herbst vorbereitet werden. Parallel wünsche ich mir, dass der Prozess mit den Informationsabenden der Schulämter so verschränkt wird, dass alle Eltern ein kohärentes Informations- und Beratungsangebot erhalten. Die Politik ist ihrerseits gefordert, die Aufklärung über erfolgreiche Werdegänge und ihre Voraussetzungen in der Schullaufbahn zu intensivieren. Wir brauchen diese Debatte, um Eltern vor kontraproduktivem akademischem Ehrgeiz zu Lasten ihrer Kinder entgegenzutreten.“

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