Fischer: Inklusions-Schwerpunktzentren sollten unbedingt erhalten bleiben!

CDU-Fraktion kritisiert Dienstanweisung zur inklusiven Betreuung in städtischen Kitas

Sabine Fischer, Stadtverordnete, Bildungspolitische Sprecherin der CDU-Römerfraktion
Sabine Fischer, Stadtverordnete, Bildungspolitische Sprecherin der CDU-Römerfraktion
Frankfurt am Main, 31. Januar 2019 - Die CDU-Fraktion hat auf ihrer Sitzung gestern Abend einhellig das unabgestimmte Vorgehen von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) kritisiert, auf dem Wege einer Dienstanweisung an die Leiterinnen und Leiter aller Einrichtungen von Kita Frankfurt die flächendeckende inklusive Betreuung und wohnortnahe Förderung von Kindern mit Unterstützungsbedarf einzuführen.

„Inklusion darf kein Selbstzweck sein. Nicht eine Quote und eine ‚Politik von oben‘ können das Kindeswohl am besten sichern, sondern die Eltern zusammen mit dem Fachpersonal der Betreuungseinrichtungen“, sagt die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Sabine Fischer.

 
Nach Meinung der Union sollen deshalb die aktuell bestehenden Schwerpunktzentren KiZ 76 und KiZ 89 im Stadtteil Dornbusch unbedingt erhalten bleiben. „Hier gibt es große Kompetenz, ausgebildete Fachkräfte und eine speziell angepasste Infrastruktur. Eltern schätzen die Zentren sehr und die Nachfrage ist groß – genauso bei Eltern von Kindern ohne Behinderung. Einige der dort betreuten Kinder sind bereits aus wohnortnäheren Einrichtungen in die Zentren gewechselt, weil nur dort eine adäquate Förderung und Pflege gewährleistet werden kann. Nicht alle Kinder mit Förderbedarf benötigen dies, aber für viele Kinder etwa mit Schwerstmehrfachbehinderungen oder Autismus ist nur im geschützten Raum und den kleinen Gruppen der Schwerpunktzentren eine optimale Pflege und Förderung möglich. Um diese Qualität von Betreuung und Förderung, aber auch eine bestmögliche Ausstattung mit Pflege- und Therapieinfrastruktur zu gewährleisten, muss es auch zukünftig mindestens eine bedarfsorientierte regionale Schwerpunktsetzung geben“, erwartet die Stadtverordnete.
 
Die Schaffung optimaler Inklusionsbedingungen für alle Förderbedarfe in allen Einrichtungen hält die CDU-Fraktion für unrealistisch: „Aufgrund begrenzter Ressourcen ist es der richtige Weg gewesen, mit der Inklusion erst einmal in einigen Kitas anzufangen. Wir arbeiten auch bei den Schulen beständig daran unsere Einrichtungen barrierefrei zu gestalten und im Rahmen der inklusiven Schulbündnisse die stadtweite Beratungs- und Förderinfrastruktur  immer weiter zu verbessern. Trotzdem können wir allein schon aufgrund der baulichen Voraussetzungen in Bestandsgebäuden und des herrschenden Platzmangels unmöglich an rund 190 Schulen und 144 Einrichtungen des Eigenbetriebs Kita optimale Förderbedingungen für alle individuellen Förderbedarfe herstellen. Hinzu kommt der akute Mangel an Erzieherinnen und Erziehern“, gibt Fischer zu bedenken.
 
„Die Frankfurter Bildungsdezernentin erweist der Inklusion mit ihrem zentralistischen Vorgehen einen Bärendienst. Denn die oftmals laut werdende Kritik richtet sich nicht gegen die Inklusion selbst, die schon seit sehr vielen Jahren in zahlreichen Einrichtungen erfolgreich gelebte Realität ist, sondern gegen politisch-ideologisch gewollte Vorschriften und die Zerstörung funktionierender Fördersysteme“, so die CDU-Stadtverordnete. Inklusion einfach zu verordnen, so Fischer weiter, widerspreche geradezu dem Grundgedanken der UN-Behindertenkonvention, denn keinem Kind dürfe aufgrund seiner Behinderung das Recht auf Bildung und bestmögliche individuelle Förderung verwehrt werden. „Wir bezweifeln, dass dies mit der neuen Formel ‚Nur 1 Integrationskind pro Gruppe‘ gelingt. Hingegen steht das Konzept ‚1/3 Förderkinder und 2/3 Regelkinder‘ bei den Eltern hoch im Kurs und funktioniert gut. Für uns folgt daraus: Wir müssen als Kommune zweifellos jedem Kind mit inklusivem Förderbedarf die Chance bieten, in einer inklusiven Einrichtung zusammen mit nichtbehinderten Kindern betreut oder beschult zu werden. Dies heißt jedoch nicht, dass dies in jeder Einrichtung überall zu erfolgen hat!“, wird Fischer deutlich. 
 
„Inklusion kann nicht top down von der Politik für alle verordnet werden ungeachtet der Realitäten vor Ort. Sie kann nur dort gelingen, wo auch alle Voraussetzungen dafür gegeben sind: ausreichend Personal mit entsprechender Ausbildung, Infrastruktur und spezielle Therapiemöglichkeiten“, so Fischer abschließend.

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