CDU-Kreisverband | Frankfurt am Main
 
 





   
Historie der Frankfurter CDU
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Die Frankfurter CDU seit 1945: Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Großstadtpartei

Am 15. September 1945 gründete ein "Vorbereitender Ausschuß", bestehend aus 20 Personen des ehemaligen Zentrums und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) sowie einigen Gewerkschaftern und Parteilosen, die "Christlich-Demokratische Partei" (CDP) Frankfurt am Main. Zu den Parteigründern zählten die bedeutenden "Linkskatholiken" und Publizisten Eugen Kogon und Walter Dirks, der spätere hessische CDU-Vorsitzende Werner Hilpert, Bruno Dörpinghaus, später Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands, die Journalisten Marcel Schulte, Karl-Heinrich Knappstein und Erich Dombrowski, der Schriftsteller August Kober, der Mediziner Hermann Frühauf, die Pfarrer Alois Eckert und Jakob Herr, die Juristen Wilhelm Fay und Hans Wilhelmi, der Fabrikant Ludwig Jost, schließlich die christlichen Gewerkschafter Josef Arndgen und Adolf Leweke. Zum ersten Parteivorsitzenden wurde der Postinspektor Jakob Husch, vor 1933 Vorsitzender des Frankfurter Zentrums, gewählt.


Mit dem Programm der "Frankfurter Leitsätze" sollte nach 12 Jahren nationalsozialistischer Unterdrückung und sechs Jahren Krieg für ein "neues Deutschland" gearbeitet werden, aufgebaut auf den Prinzipien der Demokratie, der Rechtstaatlichkeit, des Pazifismus, des Christentums und des Humanismus und - heute schwer zu verstehen - auf der ökonomischen Ordnung eines "planvollen wirtschaftlichen Sozialismus". Schnell wurde die Frankfurter "CDP", die sich im November 1945 in "CDU" umbenannte, zu einer sozial weit gespannten Volkspartei "aus Arbeitnehmern, aus Handel und Gewerbe, aus Landwirtschaft und Mittelstand" (Husch), die konfessionell wie landsmannschaftlich zusammenführte und - wie wir heute wissen - erfolgreich versuchte, alte Trennlinien zwischen Parteien, Milieus und Interessengruppen aus der Zeit der Weimarer Republik zu überwinden. Mit der Formation der CDU auf Bundesebene auf dem Goslarer Parteitag 1950, als der Vorsitzende der CDU in der britischen Besatzungszone, Konrad Adenauer, bereits in Bonn die christlich-liberal-konservative Regierung aus Union, FDP und Deutscher Partei (DP) gebildet hatte, schließt der Prozeß der Parteigründung ab.

am 26. Mai 1946 zu einer dauerhaften Kooperation mit der SPD, die durch die stark christlich-sozial ausgerichteten Anfänge der CDU am Main begünstigt wurde. Das Wohl und der schwierige Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Stadt ließ Parteigrenzen zunächst einmal zweitrangig erscheinen. "Miteinander geht`s besser!", war damals oft zu hören, auch wenn sich die großen Parteien in der Landes- und Bundespolitik zum Teil scharf bekämpften. Es waren viele Männer, aber auch schon einige Frauen, die für die CDU und ihre Ideen früh Verantwortung in der Stadt und zum Wohle der Stadt übernahmen: Hans Wilhelmi führte von 1946 bis 1957 die CDU-Stadtverordnetenfraktion und wurde später Bundesschatzminister im Kabinett Adenauer. Als Bürgermeister Frankfurts - neben, aber nicht im Schatten des hünenhaften OB Walter Kolb (SPD) - amtierten die CDU-Politiker Eugen Helfrich (1946-48) und Walter Leiske (1948-60). Die Finanzen der Stadt verwaltete Stadtkämmerer Georg Klingler (1946-66), das Gesundheits- und Fürsorgewesen fiel in den Aufgabenbereich von Stadtrat Rudolf Prestel (1946-66). Von den Frauen machte sich die sozial und kirchlich sehr engagierte Charlotte Schiffler als ehrenamtliche Stadträtin bald einen Namen. Den Vorsitz im Ausschuß für Wissenschaft und Kunst hatte die Volksbildnerin Else Epstein inne und bis 1954 leitete die Theologin Carola Barth den Schulausschuß der Stadtverordnetenversammlung.

Personelle Garanten dieser auf Zusammenarbeit in Magistrat und Stadtparlament angelegten politischen Linie waren an der Spitze der Partei die Kreisvorsitzenden Ludwig Florian (1947-52), Wilhelm Fay (1952-61) und Ernst Gerhardt (1961-72). Gerade Fay, der vor Alfred Dregger auch Landesvorsitzender der CDU in Hessen war (1952-67), später auch Frankfurter Bürgermeister (1966-72), sorgte mit seinem ausgleichenden und sympathischen Wesen für weitgehend geschlossene Reihen in der von mäßigen Wahlergebnissen gebeutelten Stadtkreispartei, führte die Union wieder an die 30%-Marke und legte so die Geleise für die politischen Erfolge der 70erJahre.


Die sozialliberale Koalition in Bonn und das Ende der 20 Jahre währenden CDU-Regierung führte die insgesamt erfolgverwöhnte Partei in eine Krise. Auch in den Kreisverbänden blieb der Regierungswechsel nicht ohne Folgen für die politische Lage. 1972 kam es zum Bruch der "Römer-Koalition" mit der SPD, von dieser durch die Nichtwiederwahl von Bürgermeister Fay selbst betrieben, aber auch aus den Reihen jüngerer Kräfte in der Frankfurter CDU (Junge Union, "Adel und Banken"), die gegen ein in ihren Augen "verkrustetes" Parteiestablishment aufbegehrten, das sich zu sehr - für die Bürger nicht mehr unterscheidbar - der SPD angepaßt habe. 1973 wurde der spätere Forschungsminister Heinz Riesenhuber zum Kreisvorsitzenden gewählt.

In der kommunalpolitischen "Opposition" holte die CDU bei den anschließenden Kommunalwahlen 1972 erstmals 40% der Stimmen und drängte gestärkt zur Macht im nunmehr allein "roten" Rathaus. Die hessische Schulpolitik, der Helaba-Skandal um den SPD-Ministerpräsidenten Albert Osswald und insbesondere die Spendenaffäre in der Frankfurter SPD paarte sich mit dem Wunsch der Frankfurter Bevölkerung nach einem Neuanfang in der Stadtpolitik. Mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Marburger Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Guillaume-Untersuchungsausschusses Walter Wallmann, erzielte die Union bei der Kommunalwahl 1977 die absolute Mehrheit.

Walter Wallmann
trat mit dem Anspruch an, der Oberbürgermeister aller Frankfurter zu sein und beließ - trotz absoluter CDU-Mehrheiten in den Jahren 1977, 1981 und 1985 - auch hauptamtliche SPD-Stadträte im Amt. Das Ergebnis waren zwölf Jahre CDU-geführte Politik für Frankfurt am Main, die das Antlitz der als unregierbar geltenden Stadt in einer bis dahin nicht für möglich gehaltenen Weise veränderten: Die Revitalisierung der Frankfurter Innenstadt, der Wiederaufbau der Alten Oper und der Römerberg-Ostzeile, das Museumsufer, die Eissporthalle, neue Bürgerhäuser und Schwimmbäder und vieles mehr werden heute mit der von Walter Wallmann angeführten Stadtregierung verbunden. Für die solide Finanzierung dieser Veränderungen sorgte Stadtkämmerer Ernst Gerhardt, der bei seinem Ausscheiden aus dem Magistrat im Herbst 1989 der neuen rot-grünen Koalition einen ausgeglichenen Haushalt, ja sogar beachtliche Rücklagen übergeben konnte.

Als Wallmann 1986 einem Ruf ins Kabinett Kohl folgte und der erste Umweltminister der Bundesrepublik und ein Jahr später bereits Hessischer Ministerpräsident wurde, folgte ihm der CDU-Kreisvorsitzende Stadtrat Wolfram Brück als Oberbürgermeister. Umweltdezernent Heinz Daum folgte Brück im Parteivorsitz. Nach der verlorenen Kommunalwahl 1989 und der Abwahl Brücks und der meisten hauptamtlichen CDU-Dezernenten trat Daum im Zuge der Nachwehen dieser Wahl zurück und der hessische Sozialminister Karl-Heinz Trageser übernahm die Sachwaltung der abermals in die Opposition "verbannten" CDU, die kein leichtes Spiel hatte gegen den rot-grünen Magistrat unter den Oberbürgermeistern Hauff und von Schoeler.

1992 übernahm die Landtagsabgeordnete Petra Roth den Kreisvorsitz. Zum ersten mal stand eine Frau an der Spitze der Partei. Das Versagen der rot-grünen Koalition im März 1995 und die daraus resultierende Abwahl von Schoelers machte den Weg frei zur ersten OB-Direktwahl in Frankfurt am Main, bei der Petra Roth ihren sozialdemokratischen Widersacher von Schoeler bereits im ersten Wahlgang mit 51,9% in die Schranken wies. Die Wahl einer Frau in die Position des Oberbürgermeisters war bundesweit zu diesem Zeitpunkt einmalig. Die Kür Walter Wallmanns zum CDU-Parteivorsitzenden im Sommer 1995 und das nach der Kommunalwahl 1997 geschlossene Bündnis mit der SPD ("Kommunalpolitische Plattform") stärkte die Handlungsfähigkeit des von OB Petra Roth geführten Magistrates und half bei der Konsolidierung des durch Rot-Grün herabgewirtschafteten städtischen Etats. Im Ringen um den Parteivorsitz setzte sich auf dem Kreisparteitag im Spätsommer 1997 der neue Stadtrat und jetzige Wissenschaftsminister Udo Corts gegen seine Mitbewerberin, die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, durch.

Die CDU Frankfurt am Main ist heute eine moderne, weltoffene, liberale und wertorientierte Großstadtpartei mit über 4.000 Mitgliedern und hunderten von Aktiven, die sich - zumeist ehrenamtlich - für das Wohl und die Zukunft der Mainmetropole einsetzen.

Bei den Kommunal- und OB-Wahlen im Frühjahr 2001 wurde Oberbürgermeisterin Petra Roth souverän in ihrem Amt bestätigt und die CDU erneut mit Abstand stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung.

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 führte zu einem eindeutigen Ergebnis: Mit 36 % der abgegebenen Stimmen wurde die Frankfurter CDU erneut zu der mit Abstand stärksten politischen Kraft in Frankfurt am Main gewählt. Sie stellt die größte Fraktion in der Frankfurter Stadtverordneteversammlung und bildet zusammen mit den Frankfurter Grünen eine Regierungskoalition.

Literaturhinweise:

  • Günter Buchstab/Klaus Gotto, Die Gründung der Union. Traditionen, Entstehung und Repräsentanten (Geschichte und Staat 245/255), München 21990 (11981).
  • Hans-Otto Kleinmann, Geschichte der CDU 1945-1982, hg. von Günter Buchstab, Stuttgart 1993.
  • Bernd Heidenreich/Werner Wolf (Hg.), Der Weg zur stärksten Partei 1945-1995. 50 Jahre CDU Hessen, Köln 1995.
  • Frolinde Balser, Aus Trümmern zu einem europäischen Zentrum. Geschichte der Stadt Frankfurt am Main 1945-1989 (Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission 20), Sigmaringen 1995.
  • Joachim Rotberg, Zwischen Linkskatholizismus und bürgerlicher Sammlung. Die Anfänge der CDU in Frankfurt am Main 1945-1946, Frankfurt am Main 1999.

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